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„Wer, wenn nicht wir?“

Ein voll besetzter Hörsaal, rund 300 Gäste aus unterschiedlichen Generationen und eine lebendige Diskussion, die auch nach dem offiziellen Ende noch lange weiterging: Die Veranstaltung „Wer, wenn nicht wir? – Ein Gespräch über unsere Verantwortung für Demokratie“ hat am Montagnachmittag eindrucksvoll gezeigt, wie groß das Interesse am gesellschaftlichen Austausch ist. Das Katholische Klinikum Bochum (KKB) und die Volksbank Bochum Witten eG hatten gemeinsam ins Hörsaalzentrum des St. Josef-Hospitals eingeladen, um über Demokratie, Zusammenhalt und die Verantwortung jedes Einzelnen ins Gespräch zu kommen.

Ausgangspunkt war die Spiegelaktion „Diese Leute sind für unser Land verantwortlich“ der Norbert-Lammert-Stiftung. Wer vor einem der Spiegel steht, blickt auf sich selbst und wird damit unmittelbar Teil der Botschaft. Diesen Gedanken griffen die beiden Bochumer Unternehmen auf und machten ihn zum Mittelpunkt einer Veranstaltung, die bewusst unterschiedliche Perspektiven zusammenbrachte. Besonders erfreulich war dabei die Zusammensetzung des Publikums: Menschen aller Altersgruppen waren vertreten und bildeten einen breiten Querschnitt der Gesellschaft ab.

Mit dieser Frage begann die Diskussion. Im Mittelpunkt standen zunächst die Erfahrungen aus den beiden Unternehmen: Wie gelingt ein respektvolles Miteinander, wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen und Überzeugungen zusammenarbeiten? Welche Bedeutung haben Vielfalt, Akzeptanz und gegenseitiges Vertrauen? Deutlich wurde, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht erst in der großen Politik beginnt, sondern gerade auch dort entsteht, wo Menschen täglich miteinander arbeiten und Verantwortung füreinander übernehmen.

Unter der Überschrift „Streit muss sein“ gewann das Gespräch anschließend deutlich an Dynamik. Es ging um unterschiedliche Meinungen, persönliche Haltung und die Frage, wie viel Widerspruch eine Gesellschaft braucht und aushalten muss. Auch das Publikum beteiligte sich intensiv. Dabei entwickelte sich eine ebenso engagierte wie respektvolle Auseinandersetzung, die beispielhaft zeigte, dass kontroverse Positionen und ein wertschätzender Umgang miteinander kein Widerspruch sein müssen. Unterschiedliche Ansichten wurden nicht ausgeklammert, sondern zum Ausgangspunkt eines offenen Dialogs gemacht.

Im dritten Themenblock rückte schließlich die persönliche Verantwortung in den Mittelpunkt. Was beginnt bei mir selbst? Was kann jeder Einzelne dazu beitragen, dass Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Alltag gelebt werden? Die Diskussion spannte dabei den Bogen vom beruflichen Umfeld bis ins Privatleben. Im Kern stand die Erkenntnis, dass Verantwortung nicht allein an Politik und Institutionen delegiert werden kann, sondern immer auch eine Frage des eigenen Handelns ist.
Dass dieser Gedanke bei den Gästen ankam, zeigte sich nicht zuletzt nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung. Beim anschließenden Beisammensein wurden zahlreiche Gespräche fortgesetzt, neue Kontakte geknüpft und Gedanken aus der Diskussion vertieft. Aus einer Podiumsrunde war ein lebendiger Austausch zwischen Menschen geworden, die sich im Alltag vermutlich nicht ohne Weiteres begegnet wären.

Für das Katholische Klinikum Bochum und die Volksbank Bochum Witten eG war der Nachmittag damit auch ein sichtbarer Erfolg ihrer gemeinsamen Initiative. Zwei große Bochumer Institutionen, die auf unterschiedliche Weise täglich Verantwortung für Menschen übernehmen, hatten einen Raum geschaffen, in dem gesellschaftliche Fragen offen und auf Augenhöhe diskutiert werden konnten.

Die Spiegelaktion „Diese Leute sind für unser Land verantwortlich“ ist damit in Bochum angekommen. Und der große Zuspruch macht deutlich: Die Frage, wer Verantwortung für unsere Gesellschaft trägt, beschäftigt die Menschen. Vor allem aber sind sie bereit, miteinander darüber zu sprechen. Die Antwort auf die Frage „Wer, wenn nicht wir?“ liegt dabei vielleicht näher, als man zunächst denkt – ein Blick in den Spiegel genügt.