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Drei Partner, ein Ziel: Gemeinsam für die Eliminierung von Hepatitis B und C

Bahnhofsmission, bodo e. V. und Walk In Ruhr bündeln ihre Kräfte: kostenfreier und anonymer Testtag im Herzen von Bochum

HIV und Hepatitis B und C bis 2030 als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu eliminieren: Diesem Ziel hat sich Bochum bereits 2020 im Rahmen der internationalen „Fast Track Cities Initiative“ verpflichtet. Wie wichtig dafür die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure ist, zeigte ein gemeinsamer Aktionstag am 21. Oktober: die Bahnhofsmission Bochum, bodo e. V. und das Walk in Ruhr (WIR – Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin) organisierten gemeinsam kostenfreie und anonyme Testangebote für Hepatitis C und weitere Infektionen. Unterstützt wurde die Aktion durch die Schirmherrschaft von Serdar Yüksel (MdB) und das Sponsoring der AbbVie GmbH.

Gemeinsam mehr Menschen erreichen

Die „Fast Track Cities Initiative“ verfolgt das Ziel, Neuinfektionen zu verhindern, Infektionen frühzeitig zu erkennen und den Zugang zu Behandlung und Versorgung zu verbessern. Dafür müssen insbesondere Menschen erreicht werden, die aufgrund ihrer Lebenssituation besondere gesundheitliche Risiken tragen oder nur eingeschränkt Zugang zu medizinischen Angeboten haben. Der Schlüssel zum Erfolg: Kooperation von sozialen Einrichtungen, Beratungsstellen und medizinischen Angeboten.

Besonders an dem Aktionstag war nicht nur die Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen, sondern auch die räumliche Nähe der drei Veranstaltungsorte: Getestet und informiert wurde im „Café Himmelreich“ der Propstei St. Peter und Paul, im queeren „Café Fluid“ der Aidshilfe Bochum e.V. sowie in der Interdisziplinären Immunologischen Ambulanz (Katholisches Klinikum Bochum) des WIR. In den drei benachbarten Gebäuden entstand so ein gemeinsames Angebot, das unterschiedliche Zugänge zu Beratung, Begegnung und medizinischer Versorgung miteinander verband. Ca. 40 Menschen kamen bei Grünkohl und Linsensuppe im „Café Fluid“ zusammen, wo 25 Tests auf Hepatitis C durchgeführt werden konnten. Durch das Gesundheitsamt der Stadt Bochum wurde das Hepatitis-Testangebot um HIV, Syphilis und STI (sexuell übertragbare Infektionen) erweitert – ganz im Sinne der „Fast Track Cities Initiative“. Die Fachstelle „Sexualität und Vielfalt e.V. Aachen“ stellte ein PCR-Gerät zur Verfügung, so dass positive Schnelltests sofort überprüft werden konnten. Gemeinsam mit Mitarbeitenden der Aidshilfe Bochum e.V., bodo e. V. und der Bahnhofsmission konnten so unterschiedliche Kompetenzen zusammengeführt werden: von der direkten Ansprache und Unterstützung von Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen über Beratung und Prävention bis hin zur medizinischen Testung und gegebenenfalls der Vermittlung in eine weiterführende Versorgung.

Gesundheitsversorgung ohne Hürden

Für Menschen, die von Wohnungslosigkeit, Armut oder anderen sozialen Belastungen betroffen sind, können Hemmschwellen, fehlende Informationen oder schwierige Lebensumstände den Zugang zu medizinischer Versorgung erschweren.

Kostenfreie und anonyme Testangebote setzen genau hier an. Sie ermöglichen es, den eigenen Gesundheitsstatus unkompliziert auch ohne Krankenversicherung abzuklären und bei Bedarf weitere Schritte einzuleiten.

Die Zusammenarbeit endet nicht mit dem Aktionstag. Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden von bodo e. V. erhalten ergänzend eine Schulung zum Thema Hepatitis. Sie sollen dadurch Wissen über Übertragungswege, Prävention, Testmöglichkeiten und Behandlung vertiefen und Menschen in ihren Arbeitszusammenhängen noch gezielter informieren und unterstützen können. Im Falle eines positiven Tests kann so gemeinsam geschaut werden, wie die positive Person gut in der Behandlung unterstützt werden kann. Denn: Hepatitis C ist heilbar! Manchmal ist die Heilung von großen Hürden wie einer fehlenden Krankenversicherung geprägt, manchmal sind es aber auch nur kleine Hürden wie z.B. fehlende Lagermöglichkeiten für die Tabletten. Die Lösung zur Überwindung dieser Hürden ist individuell und einfacher zu erlangen, wenn das soziale Umfeld eines Menschen an einem Strang zieht.

Die Politik muss mitziehen

Nicht zuletzt spielt auch die Gesundheitspolitik eine entscheidende Rolle. Darum wurde beim Aktionstag mit dem Schirmherrn Serdar Yüksel (MdB) über die alltägliche Realität von Drogenkonsum und Wohnungslosigkeit in Bochum gesprochen und damit auch die Politik mit in die Verantwortung der Gesundheitsversorgung einbezogen.
Die Eliminierung von HIV, Hepatitis B und Hepatitis C ist nicht allein eine medizinische Aufgabe. Sie erfordert das Zusammenspiel von Prävention, Früherkennung, Behandlung, sozialer Unterstützung und Gesundheitspolitik. Der Aktionstag macht deutlich, welchen Beitrag lokale Kooperationen dazu leisten können: Einrichtungen bringen ihre jeweiligen Kompetenzen ein, bauen Zugangsbarrieren ab und schaffen Angebote, die sich an den Lebensrealitäten der Menschen orientieren.

Mit der erweiterten Zusammenarbeit setzen bodo e. V., die Bahnhofsmission, das „Walk In Ruhr“ mit Aidshilfe Bochum e.V., der Ambulanz und dem Gesundheitsamt Bochum ein gemeinsames Zeichen für niedrigschwellige Gesundheitsversorgung und für die Umsetzung der Ziele der Fast Track Cities Initiative in Bochum.