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Dr. Kirsten Sucker vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin und Dr. Stefanie Borowy aus der Neurologischen Universitätsklinik am Bergmannsheil diskutieren anhand von MRT-Daten den Zusammenhang von Hirnvernetzung und Hirnbotenstoffen bei der Geruchswahrnehmung. Bildnachweis: Volker Daum/Bergmannsheil

Wenn Gerüche von der Arbeit ablenken

Neue Kooperationsstudie von Bergmannsheil und dem Institut für Prävention und Arbeitsmedizin ist Reizeffekten auf der Spur

Ein Geruch kann Übelkeit verursachen, er kann beißend sein, zu Tränen reizen – und er kann unsere Aufmerksamkeit stören. Was steckt dahinter? Die Mechanismen des menschlichen Nervensystems, die hinter den Wirkungen von Geruchs- und Reizstoffen stehen, sind Thema eines neuen Forschungsprojektes.

Durchführen werden es die Neurologische Universitätsklinik am Bergmannsheil und das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), mit Unterstützung der DGUV Forschungsförderung. Die Ergebnisse sollen helfen, Sicherheit und Gesundheit an vielen Arbeitsplätzen weiter zu verbessern.

Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil hat in Kooperation mit dem Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA) eine Studie zum Thema Reizsensitivität konzipiert, die nun von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) mit rund 420.000 Euro gefördert wird. Martin Tegenthoff, Direktor der Neurologischen Klinik des Bergmannsheils und Leiter der Studie, über das Projekt: „Wir beschreiten hier Neuland. Mit den am Bergmannsheil vorhandenen modernsten klinischen Methoden werden aus Untersuchungen an Patientinnen und Patienten und gesunden Vergleichspersonen Erkenntnisse für die Prävention am Arbeitsplatz gewonnen. Die beschlossene Förderung ermöglicht uns diese Umsetzung unseres innovativen Forschungskonzepts.“

Geruchsempfinden ist sehr subjektiv

Im Laufe seines Lebens kommt der Mensch mit ganz unterschiedlichen Gerüchen in Kontakt, die beim Riechen mit individuellen Erfahrungen und Erinnerungen verknüpft werden. Das führt beispielsweise dazu, dass der Geruch von Anis die deutsche Nase an Ouzo und Urlaub in Griechenland erinnert, die japanische Nase jedoch an Desinfektionsmittel und Krankenhaus. Das Geruchsempfinden ist also subjektiv. Trotzdem würden die meisten zustimmen, dass Vanille angenehm und verbranntes Plastik unangenehm riecht.

Weitaus unbemerkter können Gerüche, und das belegen verschiedene internationale Untersuchungen, die Aufmerksamkeit beeinflussen und so schlimmstenfalls durch Fehlhandlungen Unfälle verursachen. In der Studie in Bochum soll nun untersucht werden, inwiefern Personen, die sensibel auf Gerüche reagieren, möglicherweise am Arbeitsplatz durch Stoffe mit einer Geruchs- und Reizwirkung abgelenkt werden. Denn Reizwirkungen und Geruchsbelästigungen durch chemische Arbeitsstoffe sind für die Präventionsarbeit der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen von zentraler Bedeutung.

„Die Herausforderung bei der Bewertung der gesundheitlichen Relevanz von Luftschadstoffen besteht darin, die Reizwirkung von der bloßen Geruchswirkung zu trennen“, so Thomas Brüning, Institutsdirektor des IPA. „Erst wenn wir die Mechanismen entdecken und verstehen, können die Unfallversicherungsträger besser präventiv tätig werden. Dazu gehört die Grenzwertfindung genauso wie die Arbeitsplatzgestaltung.“

Gemeinsame Forschung von Klinik und Arbeitsmedizin

Das nun von der DGUV geförderte Projekt an der Schnittstelle zwischen klinischer und arbeitsmedizinischer Forschung sowie der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz möchte genau dies im Laufe der kommenden drei Jahre leisten: Mittels Untersuchungsmethoden wie der funktionellen Magnetresonanztomografie wird die Gehirnaktivität reizsensitiver Personen und Kontrollpersonen direkt bei der Verarbeitung von Gerüchen aufgezeichnet und anschließend analysiert. Zusätzlich werden die Botenstoffe, die das Zusammenspiel der Nervenzellen erst ermöglichen, in den beteiligten Hirnbereichen analysiert. Die Ergebnisse sollen den Forschungsteams um Martin Tegenthoff und Thomas Brüning in der Konsequenz erlauben, Empfehlungen für Präventionsmaßnahmen auszusprechen, die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz noch weiter verbessern.