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Weitere MFA-Protestaktion in Berlin

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. ruft am Mittwoch, dem 12.01.2022, um 12.45 Uhr zu einer weiteren Protestaktion am Brandenburger Tor in Berlin auf. Ziel ist es, auf die enorme Belastung und die fehlende Wertschätzung der Leistungen von Medizinischen Fachangestellten (MFA) aufmerksam zu machen.

„Seit Beginn der Pandemie geht der Blick der Öffentlichkeit noch häufiger als vorher nur auf eine Seite des Gesundheitswesens: Die Pflege im stationären Sektor und in den Altenpflegeeinrichtungen. Aber 13 von 14 COVID-19-Patienten werden durch die niedergelassenen Arztpraxen versorgt und seit Beginn der Impfkampagne wurden dort mehr als 72 Millionen Corona-Impfungen verabreicht“, erinnert Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. und fährt fort: „Umso unverständlicher ist es, dass die Politik die Leistungen der dort beschäftigten Medizinischen Fachangestellten überhaupt nicht wertschätzt.“

Erst Ende Dezember hat das Bundesgesundheitsministerium in einer Antwort auf die Anfra-ge eines Abgeordneten zu einem Corona-Sonderbonus für MFA darauf verwiesen, dass nicht alles, was ggf. wünschenswert wäre, auch umgesetzt werden kann, weil die Politik die Stabilität des gesamten Systems im Blick behalten muss.

„Diese Antwort macht uns fassungslos, sie ist unfair und geradezu absurd“, erklärte dazu Hannelore König. „Wo bleibt die Stabilität des Systems, wenn der stationäre Sektor und die Pflegeeinrichtungen immer wieder staatlich bezuschusst werden und den Beschäftigten im niedergelassenen Bereich kaum ein Dankeschön geboten wird? Wenn die Politik ihre Empfehlungen ohne Abstimmung kommuniziert und jeden Tag ändert, dann sind es die Medizinischen Fachangestellten in den Arztpraxen, die dem Ansturm der Nachfragen, die Verärgerung der Menschen und teilweise auch die Drohungen als erste zu spüren bekommen. Zu diesen enormen Belastungen in der Pandemie kommt die Betreuung der anderen akut und chronisch kranken Patientinnen und Patienten, Vorsorgeuntersuchungen, normale Schutzimpfungen. Der Arbeitsalltag der Medizinischen Fachangestellten hat sich seit Beginn der Pandemie so radikal geändert, dass viele von ihnen am Ende ihrer Kräfte sind. Und sie sehen kein Licht am Ende des Tunnels, denn weitere Auffrischimpfungen sind schon angekündigt. Für sie ist es nicht mehr 5 vor 12, sondern bereits drei viertel nach 12!“, so Hannelore König weiter.

Sie verweist darauf, dass MFA vom Gesetzgeber bei der Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten, also bei der Test- und Impfpflicht in vollem Umfang einbezogen werden. „Wenn es aber um einen Sonderbonus geht, dann sei das nicht möglich, weil das System instabil wird. Ist es nicht eher umgekehrt der Fall?“

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V lädt Abgeordnete des Deutschen Bundestags und Journalisten am Mittwoch von 12.45 bis 14.00 Uhr auf dem Pariser Platz am Branden-burger Tor zum Austausch ein. Sie können sich in Gesprächen mit Berufsangehörigen und Vertretern des Verbandes über die tatsächliche Belastung in den Arztpraxen informieren. Hannelore König hofft, dass die Parlamentarier die Mittagspause nutzen und bereits damit ihre Wertschätzung ausdrücken, indem sie mit den MFA sprechen und ihre Sorgen ernst nehmen.

In Briefen haben Medizinische Fachangestellte die Situation in den Arztpraxen beschrieben. Diese Protestbriefe und Forderungen werden gegen 14.30 Uhr am Bundesministerium für Gesundheit in der Friedrichstraße 108 übergeben. Sie stehen auch online zum Nachlesen zur Verfügung.

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. fordert Anerkennung und Wertschätzung für die Medizinischen Fachangestellten, dazu gehört ein Corona-Sonderbonus aus staatlichen Mitteln – analog den Pflegekräften in den Krankenhäusern. Weitere Forderungen sind: Mehr Tarifverbindlichkeit, eine zeitnahe Gegenfinanzierung der Tarifsteigerungen, damit Arztpra-xen im Wettbewerb um die MFA konkurrenzfähig bleiben. Bereits im Dezember 2020 hat der Verband medizinischer Fachberufe e.V. als Tarifpartner ein Gehaltsplus von 6 Prozent zum 1. Januar 2021 und von weiteren 3 Prozent zum 1. Januar 2022 verhandelt. Aufgrund der derzeit praktizierten Vorgehensweise bei den Honorarverhandlungen kann eine Gegenfinanzierung über die Krankenkassen allerdings frühestens 2023 erfolgen.