Nachrichten

V.l.n.r.: Rainer Beckers (ZTG GmbH), Michael Strübin (MedTech Europe), Oliver Maaßen (Uniklinik RWTH Aachen), Dr. Kai Heitmann (health innovation hub), Jakob Scholz (Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe) und Dr. Erich Gehlen (Duria eG) diskutierten auf dem 4. DIT zum Thema „Elektrisch, elektronisch, digital – Interoperabilität und Digitalisierung“. Foto: ZTG GmbH

Interoperabilität im Gesundheitswesen

4. DIT fördert zielorientierten Dialog

Rund 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten interessiert dem Tagungsprogramm des 4. Deutschen Interoperabilitätstags (DIT) in Berlin. Nach wie vor ist Interoperabilität die entscheidende Stellschraube für eine vernetzte, digitale Gesundheitsversorgung. Welche Entwicklungen dafür aktuell noch notwendig sind und wo es bereits funktionierende Lösungen gibt, diskutierten beim DIT hochkarätige Gäste aus Politik, Selbstverwaltung und Wirtschaft. Dabei fokussierte der Austausch auf das Motto des „Miteinander-ins-Benehmen-Setzens“, um einen gemeinsamen Dialog zu schaffen.

Im Januar 2021 soll sie an den Start gehen, die elektronische Patientenakte (ePA). In diesem Kontext tut sich einiges: diverse Gesetze und Gesetzesentwürfe legen künftig Anforderungen und Regelungen für den interoperablen Austausch in der Gesundheitsversorgung fest. Mit seiner Keynote zum Einstieg in das Tagungsprogramm gab Dr. Hans Unterhuber von der SBK Siemens Betriebskrankenkasse seine Sicht auf die neuen Regelungen wieder. Er betonte, dass es wichtig sei, eine Einigung zu finden bei der Entwicklung der ePA. Aktuell seien noch einige relevante Fragen zu regeln. Daher begrüße die SBK die neue Dynamik in der Gesetzeslage, die durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorangetrieben werde. „Allerdings muss die gematik die Bedürfnisse der Nutzer, also der Leistungserbringer und Patienten, berücksichtigen. Aus Kassensicht sollten die Mitwirkungsmöglichkeiten der Versicherten durch eine gut strukturierte Akte und gut funktionierende Interoperabilität gestärkt werden“, stellte Dr. Unterhuber klar.

Die daran anknüpfende Diskussionsrunde fokussierte auf nötige Ansatzpunkte für eine umfassende Interoperabilität zugunsten der Digitalisierung. Ein hoch relevantes Thema stellt dabei die Nutzung internationaler Standards und Profile dar. Das derzeitige System aus nicht standardisierten Datenformaten müsse einem gesetzlich festgelegten Rahmen weichen, damit innovative Lösungen zügig und über Landesgrenzen hinaus verbreitet und genutzt werden können.

Steffen Hennecke von der gematik präsentierte im folgenden Themenblock das neue Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der gematik: Zukünftig will die gematik Koordinationsinstanz für Interoperabilität im Gesundheitswesen und somit erste Anlaufstelle für neue Anwendungen werden – unterstützt durch ein transparentes Wissensportal (Weiterentwicklung von vesta). Die entsprechende Verbindlichkeit soll durch einen E-Health-Rat geschaffen werden. Damit greift die gematik auf eine Idee zurück, die schon die Interoperabilitätsstudie aufgeworfen hatte. Mitglieder und Aufgaben des neuen Gremiums werden nicht hinter verschlossenen Türen benannt. Im Gegenteil: alle Interessierten aus Politik, Wissenschaft und Industrie sind eingeladen, an einem Stakeholder-Workshop am 10. Dezember 2019 teilzunehmen, um gemeinsam Rollen und Prozesse für den E-Health-Rat zu erarbeiten.

Der nachfolgende Themenblock zeigte auf, wo interoperable Systeme bereits effektiv die Praxis unterstützen und die Patientenversorgung optimieren. Als Beispiele wurden dabei der Umgang mit Labordaten, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), der Entlassbrief der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, die Schnittstellen der Vivantes-ePA sowie das Herzinsuffizienz-Monitoring beleuchtet.

In der letzten Fachsession diksutierten Dr. Gertrud Demmler (SBK), Dr. Thomas Kriedel (Kassenärztliche Bundesvereinigung) und Dr. Ralf Brandner (bvitg) unter der Moderation von Sebastian Zilch (bvitg) zum Motto „Beyond ePA“. Dass zu Januar 2021 ePA-Lösungen für die gesetzlich Versicherten vorliegen werden, sei relativ sicher, so war man sich einig. Ob diese einen ausreichenden Nutzen für die Patienten und Ärzte bieten werde, bliebe allerdings abzuwarten. Es gehe schließlich um mehr, als darum, einen analogen Prozess digital zu machen.

Zum Abschluss rundete Dr. med. Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer der gematik, mit einer Keynote im Abendprogramm den Interoperabilitätstag ab.

Veranstalter des DIT waren der Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V., HL7 Deutschland e.V, IHE-Deutschland e.V., der Spitzenverband IT-Standards im Gesundheitswesen (SITiG e. V.) und das ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin. Auch in diesem Jahr findet der DIT in Kombination mit der HL7/IHE-Jahrestagung und begleitenden Tutorials (24. und 25. Oktober 2019) statt.