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Informationsveranstaltung im Knappschaftskrankenhaus: von links nach rechts: Martin Schwertner, Leiter Intensivpflege, Prof. Dr. R. Viebahn, Transplantationszentrum, Axel Schäfer, MdB, Michael Gerdes, MdB, Nehazad Baradari, MdB, Uma Scheid, Rene Krause, Claudia Krogul, Stefanie Gonzalez Lopez, Prof. Dr. K. Steigleder, Björn Scheid, Frau Scheid, Andre Kruse, Bärbel Röttger Foto: Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum GmbH

Bundestagsabgeordnete informieren sich über Organtransplantation

Am vergangenen Samstag informierten sich die Bundestagsabgeordneten Nehazad Baradari (Olpe/Märkischer Kreis, SPD), Michael Gerdes (Bottrop- Recklinghausen III, SPD) und Axel Schäfer (Bochum I, SPD) im Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum noch einmal zeitnah über die aktuelle Situation in der Organtransplantation.

Unter der Moderation von Professor Viebahn, der das Transplantationszentrum am Knappschaftskrankenhaus leitet, wurden Einblicke vor allen Dingen in die Situation der Patienten gegeben.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Abgeordneten durch die Ausführungen von Martin Schwertner, Leiter der Intensivstation im Knappschaftskrankenhaus, der über die Belange der Patienten aus pflegerischer Sicht sprach und besonders die Pflege von hirntoten Patienten thematisierte.

Professor Klaus Steigleder, Ethiker und Philosoph an der Ruhr-Universität Bochum, wies auf gängige Irrtümer in der Bewertung der Organspende hin. Zu seinen Lebzeiten bereit zu sein, dass einem nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen, ist keine gute Tat, sondern eine grundsätzliche moralische Hilfspflicht. Eine moralische Pflicht zur Hilfeleistung besteht immer dann, wenn jemand sich in einer wichtigen Sache selbst nicht helfen kann und ein anderer zur Hilfeleistung ohne vergleichbare Kosten in der Lage ist. Dies schließt nicht aus, dass es wichtige Gründe geben kann, einer Organentnahme zu widersprechen, wie etwa unüberwindbare Ängste, Sorge vor einer Überforderung der Angehörigen oder religiöse Gründe.

Einen breiten Raum nahmen die Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen von Patienten nach Organtransplantation ein.

So berichtete Claudia Krogul über ihren Leidensweg bei Mucoviszidose sie habe nach der Lungentransplantation zum ersten Mal richtig „durchatmen“ können.

Bärbel Röttger und Rene Krause beschrieben ihre „Patientenkarriere“ als Nierenkranke und schilderten ihr Leben nach der Nierentransplantation ohne Dialyse, ohne Beschränkung der Trinkmenge und mit deutlich mehr Kraft.

Andre Kuse ist seine Krankengeschichte nicht anzusehen: Nach zwei Lebertransplantationen aufgrund einer angeborenen Lebererkrankung ist er als Bachelor of Arts in einem Architekturbüro tätig. Er merkt von seiner Transplantation nur wenige Nebenwirkungen, die mit der regelmäßigen Medikamenteneinnahme zu tun haben.

Stefanie Gonzalez-Lopez erlitt nach einer Schwangerschaft ein schweres Nierenversagen und sollte schon zur Transplantation angemeldet werden, glücklicher Weise erholten sich ihre Nieren wieder. Ihre Gedanken zur Nierentransplantation als junge Mutter schildern eindrücklich die Nöte der Patienten auf den Wartelisten.

Einen besonders breiten Einblick gab Björn Scheid, der als langjähriger Diabetiker im vergangenen Jahr eine Niere in Kombination mit einer Bauchspeicheldrüse erhalten hat, er brachte seine Frau und seine Tochter mit, die den Zugewinn an Lebensqualität schilderten, nachdem sie ihren Mann und Vater ohne Dialyse und ohne Insulinspritzen wieder zu Hause hatten.

Abschließend wurde die Tatsache diskutiert, dass eine lange Wartezeit auch das Ergebnis einer Organtransplantation verschlechtert. Die vergleichenden Zahlen belegen, dass Deutschland in Mitteleuropa bei der Organspende aktuell die Schlussstellung einnimmt.

Aus diesem Grund unterstützt die deutsche Ärzteschaft die Widerspruchslösung ebenso wie die deutsche Transplantationsgesellschaft und der Bundesverband der Organtransplantierten, wie Rene Krause darstellte.
Die Abgeordneten stimmten mit den Patienten überein, dass dringender Handlungsbedarf besteht.