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Große Ehre für einen Pionier der Diabetologie

Prof. Michael Nauck erhält in Stockholm die Claude-Bernard-Medaille

Neu entwickelte Wirkstoffe sorgen für Quantensprung in der Therapie

40 Jahre und damit fast sein gesamtes Berufsleben hat sich Prof. Michael Nauck in den Dienst der Diabetes-Behandlung und vor allem der Forschung gestellt. Mit großem Erfolg: Das von ihm maßgeblich mitentwickelte Therapieprinzip der sog. GLP-1-Rezeptor-Agonisten hat der Diabetes-Therapie zu einem Quantensprung verholfen und international schon Millionen von Patienten mit Diabetes Typ 2 geholfen.

Dafür wird der Leiter der klinischen Forschung Diabetes im St. Josef-Hospital (Klinikum der Ruhr-Universität Bochum) von der European Association for the Study of Diabetes (EASD) am heutigen Dienstag, 20. September, mit der Claude-Bernard-Medaille geehrt, der höchsten Auszeichnung, die in dieser medizinischen Disziplin für innovative Forschung zu vergeben ist. Parallel dazu findet traditionell ein Vortrag („lecture“) zum Thema statt, den Michael Nauck in Stockholm vor prominentem internationalem Publikum halten wird. In Fachkreisen gilt er als ein Pionier der Diabetologie.

GLP-1-Rezeptor-Agonisten haben gegenüber dem herkömmlichen Insulin und weiteren Medikamenten erhebliche Vorteile. Sie verhindern die sonst übliche und von den Patienten gefürchtete Gewichtszunahme – im Gegenteil: Die Patienten nehmen deutlich ab und empfinden dies als riesige Erleichterung. Je nach Präparat sind es drei bis zwölf Kilo, mitunter mehr als zwanzig.

Gefährliche Unterzuckerungen sind nahezu ausgeschlossen. Signifikant sinkt ferner das Risiko kardiovaskulärer Folgeerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt, die bei Diabetes vermehrt vorkommen und eine häufige Todesursache sind. „Für Patienten mit solchen Risiken, die vielleicht sogar schon einen Schlaganfall bzw. Herzinfarkt erleiden mussten, ist der Einsatz von GLP-1-Rezeptor-Agonisten nach den ärztlichen Leitlinien heute fast verpflichtend“, sagt Michael Nauck.

GLP-1-Medikamente wirken nicht wie das vor rund 100 Jahren erfundene Insulin, sondern ähnlich wie Hormone aus dem Dünndarm (Inkretine), die die körpereigene Insulinproduktion anregen. Anders als bei Insulin, für das bei jedem Patienten individuell mit viel Aufwand die passende Dosierung gefunden werden muss, gibt es bei GLP-1-Rezeptor-Agonisten eine Standarddosierung. Eine Spritze pro Woche reicht heute meistens aus. Inzwischen wird daran gearbeitet, das Medikament auch als Tablette einzunehmen. Weitere Forschungen beziehen sich auf Nachfolgesubstanzen, die auch über einen zweiten Hormonrezeptor wirken. Nach ersten Studien sinkt das Körpergewicht dort noch viel stärker. Und die Dynamik hält weiter an. „Ich bin erstaunt, welches Entwicklungspotenzial das Therapieprinzip GLP-1 bewiesen hat, wodurch unseren Patienten mit Typ 2 Diabetes alle zwei bis drei Jahre Präparate mit immer noch deutlich stärkerer Wirkung auf Stoffwechselkontrolle und Körpergewicht zur Verfügung stehen“, betont Prof. Nauck. „Das lässt auch für die Zukunft weitere erhebliche Fortschritte erwarten.“