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Einsatz individualisierter Assistenzsysteme benötigt tragfähige Geschäftsmodelle!

19. März 2015 in Veranstaltungen

Konsens auf der ersten „triple i“-Veranstaltung am 12. März 2015 in Bochum

„In Zukunft investieren: Nachhaltige Geschäftsmodelle für individualisierte Assistenzsysteme“ war das Thema der ersten „triple i“- Veranstaltung der Agentur Gesundheitscampus Bochum, die am 12. März 2015 im BioMedizinZentrum Bochum stattfand. Im Zentrum der Diskussionen standen dabei die drei I „Informationen, Innovationen und Initiativen“ im Bereich des Ambient Assisted Living (AAL).

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Detlef Friedrich, Geschäftsführer der contec GmbH, und Prof. Dr. Rolf Heinze vom Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie, Arbeit und Wirtschaft der Ruhr-Universität Bochum, führten durch den rund dreistündigen Workshop, zu dem die unterschiedlichsten Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Versorgung im Gesundheitswesen zusammengekommen waren. „Wir müssen die besonderen Probleme der Metropole Ruhr erkennen und diese als Herausforderung sehen“, leitete Prof. Dr. Hilbert vom Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen seinen Impulsvortrag ein. Denn dass es sich beim Ruhrgebiet um eine Region handelt, die vor großen demographischen Herausforderungen steht, hat gravierende Konsequenzen für die Gesundheit der Bevölkerung. Menschen mit verschiedenen Krankheitsbildern, wie Schlaganfallfolgen, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Multimorbidität im Alter benötigen eine individualisierte Versorgung. Der daraus resultierende hohe Personalbedarf stellt die Gesellschaft jedoch vor eine große finanzielle Herausforderung. Der Einsatz technikgestützter Lösungen kann daher ein Mittel zur Bereitstellung individueller Versorgungsleistungen sein.

Allerdings werden vielversprechende Ansätze häufig nur zögernd umgesetzt, konstatierte Detlef Friedrich in seinem Vortrag über die ökonomischen Potenziale im Bereich der personenzentrierten Assistenzsysteme. Dies gilt nicht nur für die Kostenträger, wie das Fehlen entsprechender Abrechnungssysteme zeigt, sondern auch für die möglichen Nutzer. So weisen diese einerseits häufig Berührungsängste auf sowie andererseits die fehlende Bereitschaft, die Systeme aus eigener Tasche zu bezahlen. Dabei können Assistenzsysteme bei effektivem Einsatz den Umzug in ein Pflegeheim hinauszögern oder sogar vermeiden. Für die Umsetzung benötigt es jedoch tragfähige Geschäftsmodelle. „Dabei ist die Entwicklung von Technologien leicht, die Entwicklung von Geschäftsmodellen hinkt meist hinterer“, so Friedrich. Er weiß aber auch: „Wenn Einrichtungen und Menschen vom Nutzen der Assistenzsysteme überzeugt sind, werden diese auch ohne reale Einsparungen eingesetzt.“

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Die anschließende Diskussion gestaltete sich zwar kontrovers, brachte jedoch einen entscheidenden Konsens hervor: Bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen für individuelle Assistenzsysteme sei eine „Prozessgestaltung wichtig, zudem dürfe man nicht auf die Politik aus Berlin warten.“ Auch über die Problematik bei der Etablierung von Geschäftsmodellen – wie zum Beispiel ein fehlendes Abrechnungssystem bei den Kostenträgern – herrschte Einigkeit: „Viele Modellvorhaben funktionieren zwar in der Erprobungsphase, scheitern dann aber beim Transfer, weil eine nachhaltige Finanzierung fehlt. Ein Diskurs mit den Kostenträgern ist zwingend notwendig“, weiß Professor Heinze auch aus eigenen Erfahrungen.

Darin, dass im Rahmen eines Workshops keine Geschäftsmodelle entwickelt werden können, stimmten die Teilnehmer überein. Deshalb wird es im Mai einen weiteren Workshop geben. „Bis dahin lauten die Hausaufgaben für alle: Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich in den Prozess einbringen können, ansprechen und gemeinsam Ideen entwickeln. Die Aufbruchsstimmung und die Verabredungen des heutigen Tages müssen wir für gemeinsames Handeln im Sinne der Patientenversorgung nutzen. Die Agentur Gesundheitscampus Bochum wird den weiteren Prozess begleiten und koordinieren.“, lautet das Resümee von Johannes Peuling, Leiter der Agentur Gesundheitscampus Bochum.