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Mediale und reale Gewalt – Psychotherapeut über den Film „Funny Games“

4. März 2014 in Kliniken

Oberarzt Dr. Bert te Wildt ist Leiter der Medienambulanz in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum. (Bildquelle: Ritzenhoff/LWL)
Oberarzt Dr. Bert te Wildt ist Leiter der Medienambulanz in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum. (Bildquelle: Ritzenhoff/LWL)

1997 wie heute: Bochumer Psychotherapeut über den Film „Funny Games“ von Michael Haneke

In dem Film „Funny Games“ des österreichischen Regisseurs und Oscar-Preisträgers Michael Haneke wird eine dreiköpfige Familie von zwei jungen Männern heimgesucht, gequält und schließlich ermordet. 1997 schockierte der Film die Zuschauer – aufgrund seiner realistischen Darstellung von Angst und Schmerz, in der die Szenen mit voller Wucht einwirken, die eigentliche Gewalt aber kaum zu sehen ist. Mit dem Filmwerk wird der Konsument von Thrillern und Horrorfilmen auf radikale Weise dazu angehalten, sich mit dem Thema „Mediale Gewalt“ auseinander zu setzen. 15 Jahre später bewegt der Film den Ärztlichen Psychotherapeuten Dr. Bert te Wildt, ein Buch herauszugeben. Als Experte für Medienabhängigkeit hat sich der Oberarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in ganz Deutschland einen Namen gemacht hat.

„Mich hat in dem Film die radikal realistische Darstellung von Angst und Schmerz  beeindruckt“, so Bert te Wildt. „Der Zuschauer wird mit den Folgen von Gewalt unmittelbar konfrontiert und unweigerlich zum Nachdenken gezwungen.“ Um über die persönliche Betroffenheit hinauszuweisen, entwickelte er die Idee, mit den Akteuren darüber zu sprechen, was sie vor, nach und vor allem während der Dreharbeiten erlebt haben. In Interviews werden die Schauspieler Susanne Lothar, Ulrich Mühe und der Kinderdarsteller Stephan Clapzcynski , die die Opfer spielten, Arno Frisch, einer der beiden Darsteller der Mörder, sowie der Regisseur Michael Haneke befragt. Indem die unterschiedlichen Ansichten einander gegenübergestellt und miteinander verwoben werden, erzählen die Interviews chronologisch von den verschiedenen Stadien der Filmproduktion, von der Drehbuchentwicklung bis zur Rezeption. Die Ergebnisse sind lebendig und überraschend zugleich und laden Experten wie Laien zu einem vertiefenden Diskurs über die Wechselwirkungen zwischen realer und medialer Gewalt ein.

Das Buch ist im freien Handel erhältlich:

Bert te Wildt: „Funny Games: Über das Wechselspiel von realer und virtueller Gewalt“, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2013, 160 Seiten, 24,80 Euro, ISBN 978-3-8260-5271-2