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Die ersten Absolventinnen und Absolventen der Hochschule für Gesundheit erhielten in der Mensa der Ruhr-Universität Bochum ihre Bachelor-Urkunden. Foto: hsg/Volker Wiciok

Friedrichs: „Unsere Pioniere verlassen die Hochschule“

10. März 2014 in Gesundheitscampus, Veranstaltungen

Am 8. März 2014 haben 73 Bachelor-Absolventinnen und Absolventen des ersten Jahrgangs der Studiengänge Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie der Hochschule für Gesundheit (hsg) im Rahmen einer Feierstunde ihre Bachelor-Urkunden erhalten. „Zum Ende des Wintersemesters 2013/2014 verlassen unsere Pioniere die Hochschule. Im Sommer 2014 erwarten wir die ersten Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen des ersten Jahrgangs in den achtsemestrigen Studiengängen Hebammenkunde und Pflege. Wir sind stolz darauf, unsere ersten Studienabsolventinnen und -absolventen in den Arbeitsmarkt oder in die weitere wissenschaftliche Laufbahn zu entlassen“ erklärte hsg-Präsidentin Prof. Dr. Anne Friedrichs.

„Neben der Freude über die ersten Studienabschlüsse ist uns bewusst, dass noch einige Fragen ungeklärt sind. Der Prozess, in dem sich künftige Arbeitgeber auf akademisierte Fachkräfte in den Gesundheitsberufen einstellen, hat gerade erst begonnen. Hier müssen die Einsatzmöglichkeiten ausgelotet, Strukturen verändert und neue Stellenprofile geschaffen werden“, so Friedrichs.

Peter Fels, Pflegedirektor des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil, betonte im Rahmen eines Pressegesprächs, dass das Bergmannsheil in Bochum die Akademisierung der Gesundheitsberufe unterstütze. Als ein hsg-Kooperationspartner bietet das Universitätsklinikum aktuell acht Pflege-Studierenden der hsg einen Ausbildungsplatz und insgesamt acht Physio- und Ergotherapie-Studierenden Plätze für Praxisphasen. „Wir sehen die Aufgabenfelder für akademische Pflegekräfte und erwarten von der Politik, dass finanzielle Mittel in das System fließen, damit wir als Arbeitgeber diese neuen, innovativen Stellen für akademisierte Fachkräfte in den Gesundheitsberufen finanziell ausstatten können. Gleichzeitig fordern wir die Tarifvertragspartner auf, diese neuen Berufsbilder auch tariflich abzubilden“, so Pflegedirektor Peter Fels.

Bereits im Sommersemester 2013 bestanden in den Studienbereichen Ergotherapie (18), Logopädie (31) und Physiotherapie (30) insgesamt 79 Studierende die staatliche Prüfung für die Berufszulassung. Davon schließen jetzt 17 Ergotherapeuten, 28 Logopäden und 28 Physiotherapeuten ihr Studium mit dem Bachelor of Science ab.

Viele Studierende des ersten Jahrgangs haben bereits nach ihrer Berufszulassung, also ein Semester vor dem Abschluss ihres Studiums, eine Teilzeitstelle angenommen. So ist es zu erklären, dass auch Studierende der Hebammenkunde und Pflege bereits jetzt im Arbeitsmarkt angekommen sind – ein halbes Jahr vor ihrem Studienende. Sie haben sich entschieden, neben dem Schreiben der Bachelor-Arbeit und den Prüfungen in der Praxis tätig zu sein.

Von den aktuellen Absolventinnen und Absolventen der Studienbereiche Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie sind einige noch in der Bewerbungsphase, andere haben zum 1. März 2014 eine Stelle angetreten, haben bereits Arbeitsverträge unterschrieben, wollen sich weiter fortbilden oder studieren. Friedrichs: „Einige bleiben im Umfeld, andere gehen in andere Regionen Deutschlands oder ins Ausland. Wir finden auf Anfrage ein sehr gemischtes Bild vor. Seriöse Zahlen zum Absolventenverbleib können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen. Wir sind aber sehr interessiert an diesen Zahlen und werden sie auch erheben und auswerten.“

Barbara Gütgemann (23), Absolventin des hsg-Studiengangs Ergotherapie, beginnt Anfang April 2014 mit ihrer Vollzeit-Tätigkeit als Ergotherapeutin in einer geriatrischen Abteilung einer nordrhein-westfälischen Klinik. „Meine Bewerbungsphase ist erfolgreich verlaufen. In den Gesprächen zeigten sich die potenziellen Arbeitgeber offen für meinen studentischen Werdegang. Stellenprofile, die auf das akademische Qualifikationsprofil abgestimmt sind, waren in den Einrichtungen jedoch noch nicht vorhanden“, sagte Gütgemann.

Weiter schilderte sie ihre Erfahrungen in der Bewerbungsphase: „Viele Arbeitgeber luden zu einem Hospitationstag ein. Dabei hat mir meine künftige Arbeitsstelle aufgrund der vielfältigen ergotherapeutischen Möglichkeiten besonders gefallen. In der Einrichtung wird es mir ermöglicht, motorisch, kognitiv als auch alltagsorientiert zu arbeiten. Konkret fallen darunter zum Beispiel Bewegungsübungen, das Hirnleistungstraining sowie das Anleiten und Durchführen von Aktivitäten des täglichen Lebens wie Anziehen oder Zubereiten von Speisen.“ Das ergotherapeutische Behandlungsspektrum dort entspricht dem Schwerpunkt des Ergotherapie-Studiengangs an der Hochschule für Gesundheit, der auf der Betätigungsorientierung inklusive der Alltagsorientierung liegt.

Seit dem 1. März 2014 arbeitet Verena Klagges (24), ebenfalls Absolventin des Studiengangs Ergotherapie in der LWL-Klinik Münster als Ergotherapeutin. Sie ist zuständig für Patienten mit dem Krankheitsbild Depression. In ihrer Bachelorarbeit hatte sich Klagges mit dem Thema „Trauer und Trauern – Ergotherapeutische Möglichkeiten der Begleitung von Verlusten“ beschäftigt. „Verluste sind auch oft ein Thema bei Depressionen. Erkenntnisse aus meiner Bachelorarbeit kann ich sicher auch in meine täglichen Arbeit einfließen lassen“, so Verena Klagges.

Ab Anfang April 2014 hat Physiotherapie-Absolventin Carolin Bontrup (23) eine Vollzeitstelle in einer Reha-Praxis in Gelsenkirchen. Die Physiotherapeutin soll Dokumentations- und Assessmentprozesse evaluieren und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen anpassen. „Das, was ich im Studium über das Qualitätsmanagement in der Praxis und über das evidenzbasierte Vorgehen gelernt habe, kann ich jetzt einbringen“, sagte Bontrup.

Maria Schomberg (23), Absolventin des Studiengangs Physiotherapie, berichtet über ihre Stellensuche und ersten Eindrücke aus der Praxis: „Meine jetzige Stelle war nicht spezifisch auf einen akademisierten Physiotherapeuten ausgeschrieben und auch nicht die anderen Stellen, auf die ich mich beworben habe. Bei den Vorstellungsgesprächen waren die Arbeitgeber aber immer sehr interessiert an meinem Bachelor-Abschluss und haben dazu auch einige Frage gestellt. Diese haben sich sowohl auf die Bachelor-Arbeit, als auch auf das wissenschaftliche Arbeiten im Studium bezogen. Generell konnten die Arbeitgeber etwas mit dem Begriff ‚akademisierter Physiotherapeut‘ anfangen. Über den genauen Ablauf des Physiotherapie-Studiums an der hsg, der mit dem Abschluss Staatsexamen nach dem sechsten Semester und mit der Bachelor-Arbeit nach dem siebten Semester abschließt, habe ich die Arbeitgeber jeweils konkreter informiert.“

„In der Praxis, in der ich jetzt angestellt bin, arbeiten drei weitere Bachelor-Absolventen, die in den Niederlanden studiert haben. Einmal wöchentlich haben wir ein Team-Gespräch, in dem die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse besprochen und diskutiert werden. Ich denke, dass das Integrieren und Bewerten von wissenschaftlichen Erkenntnissen einen großen Mehrwert des Studiums darstellt. Es ist mir deshalb in der ersten Team-Sitzung leicht gefallen, mich in die Diskussionen und Gespräche einzubringen“, fügte Schomberg hinzu.

„Bereits nach dem Examen habe ich begonnen, in einer sprachtherapeutischen Praxis zu arbeiten. Zunächst als 400-Euro-Kraft, dann als Teilzeitbeschäftigte“, erzählte Lisa Ziebuhr (26), Absolventin des Studiengangs Logopädie von ihrer Studienabschlussphase.

Ziebuhr: „In derselben Praxis habe ich das Angebot erhalten, eine Vollzeitstelle nach Beendigung des Bachelors anzunehmen. Dieses Angebot habe ich jedoch nicht angenommen, da ich ein weiteres Jobangebot aus einer Klinik erhalten und zugestimmt habe. In der Klinik handelt es sich dabei vorerst um eine Dreiviertelstelle, also weniger als in der Praxis, jedoch deckt die klinische Arbeit mehr meine persönlichen Interessensbereiche ab. Eine Anstellung in einer Klinik war für mich immer das Ziel, daher bin ich sehr glücklich, dass ich dieses so schnell nach dem Abschluss erreichen kann. Meine beiden Jobangebote resultieren aus absolvierten Praktika während des Studiums. Sie sind also über Kooperationspartner der hsg zustande gekommen. Die Praxispartner sind demnach über Inhalte des Studiums informiert und stehen dem offen gegenüber. Richtig angekommen ist der Bachelorabschluss aber noch nicht. Zumindest im Bereich der Bezahlung zeigen sich keine bzw. wenige Unterschiede zu den Gehältern von Logopäden, die eine Berufsfachschulausbildung absolviert haben.“

Um die Studierenden bei ihrem Übergang in das Berufsleben zu unterstützen, hatte die hsg im Januar 2014 ein Mentoring-Programm gestartet. Die 14 sogenannten Tandems bestehen aus jeweils einer Studentin oder einem Studenten als Mentee sowie einem Mentor beziehungsweise einer Mentorin. So werden Studierende der hsg mit bereits akademisierten Therapeuten, Pflegekräften sowie Hebammen in Kontakt gebracht, mit denen sie sich über ihre Profession austauschen können. Ziel des Programms ist es, die Studierenden von der Expertise der Mentoren für die eigene Rollenfindung und -gestaltung profitieren zu lassen.