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Telemedizin macht‘s möglich!

28. Juni 2013 in Technologieprojekte, Veranstaltungen, Wissenschaft

Tagung der Modellregion Telemedizin OWL zeigt neue Wege bei der Diabetesbehandlung

Bereits zum vierten Mal lud die ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH am 19. Juni 2013 zur kostenfreien Tagung der Modellregion Telemedizin Ostwestfalen-Lippe (OWL) ein. In den Räumlichkeiten der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) in Bielefeld stand die Veranstaltung in diesem Jahr  unter dem Motto „Alles auf Zucker – Ganzheitliches Diabetes-Management durch Telemedizin“. Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, darunter Ärztinnen und Ärzte, Diabetesberaterinnen und -assistentinnen sowie Expertinnen und Experten aus Industrie und Wissenschaft, nahmen an der Veranstaltung teil, um sich über Nutzen und Möglichkeiten telemedizinisch unterstützter Präventions- und Behandlungskonzetpte  bei Diabetikerinnen und Diabetikern zu informieren.

Der optimalen, ganzheitlichen Versorgung von Diabetes mellitus kommt eine ganz besondere Rolle zu – von der Prävention, über die Therapie bis hin zur Rehabilitation. Die telemedizinisch unterstützte Betreuung von Diabetikerinnen und Diabetikern bietet diesbezüglich großes Potenzial, z.B. zur Steigerung der Patientencompliance, zur sicheren Kommunikation zwischen den Behandelnden oder zur Begleitung von Gewichtsabnahmeprogrammen.

Auf der 4.Tagung der Modellregion OWL stellte PD Dr. med. Heinrich Körtke (IFAT Institut für angewandte Telemedizin am Herz- und Diabeteszentrum HDZ NRW in Bad Oeynhausen) die Ergebnisse der SMART-Studie zum Risikofaktor Übergewicht vor, die auf einen effizienten Telemedizineinsatz schließen lassen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Versorgungslage betonte er die Wichtigkeit, bei der Behandlung des Diabetes mellitus auch weitere Indikationen, wie z.B. Risikofaktoren sowie Begleit- und Folgeerkrankungen, in ein Versorgungsmodell einzubeziehen.

Dr. med. Teresa Tamayo (Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf) verdeutlichte anhand von Zahlen, Daten und Fakten nicht nur die steigende Relevanz des Themas, sondern auch die Wichtigkeit von Prävention und intensiver Betreuung der Betroffenen – insbesondere bei sozial Benachteiligten.
Die vielversprechenden Effekte und Möglichkeiten der konventionellen Diabetesprävention durch Bewegung und Ernährung erläuterte und diskutierte Dr. med. Young Hee Lee-Barkey (HDZ NRW, Bad Oeynhausen).
Prof. Dr. med. Diethelm Tschöpe (ebenfalls HDZ NRW) machte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern deutlich, dass die positiven Effekte von Telemedizin punktuell bereits erwiesen seien und sich in der Regel bei der Sicherstellung des Therapieerfolges über einen längeren Zeitraum äußern.

Dass telemedizinisch unterstützte Betreuung bei Diabetes mellitus im stationären und ambulanten Sektor bereits heute kostendeckend realisierbar ist, zeigte Prof. Dr. Stephan Martin (Westdeutsches Diabetes- und Gesundheitszentrum WDGZ, Düsseldorf). Praxisnah stellte er vor, wie durch Telemedizin eine verbesserte Diabetesversorgung in Krankenhäusern in Kombination mit ambulantem Diabetesmanagement realisiert werden kann. Dies funktioniert z.B. durch die Förderung eines gesünderen Lebensstils oder durch die Kontrolle komplexer Insulintherapien.

Rainer Beckers (ZTG GmbH, Bochum) rief in seinem Vortrag dazu auf, nicht nur auf die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für Telemedizin zu warten, sondern bereits heute auf regionaler Ebene zu handeln und einen flächendeckenden Zugang zu Telemedizin zu realisieren. Auf Basis von Evidenzberichten können regionale Projekte angestoßen und mit überschaubaren Mitteln evaluiert werden. Mit Hilfe eines neutralen Dritten kann ein faires Finanzierungsmodell unter Berücksichtigung eines Risikosharing-Ansatzes realisiert werden.

Abschließend verdeutlichte Eva Diercks (ebenfalls ZTG) in ihrem Vortrag, dass Gesundheitsapps grundsätzlich das Potential haben, durch ihren pragmatischen Ansatz zur Akzeptanzbildung von Telemedizin beizutragen. Voraussetzung ist, dass diese in ein Versorgungskonzept eingebettet sind und die Qualität den speziellen Anforderungen der User im medizinischen Umfeld genügt. Die Sensibilisierung der Anwenderinnen und Anwender für den verantwortungsvollen Umgang mit Gesundheitsapps ist ein wichtiges Anliegen der ZTG GmbH, das sie u.a. mit dem Webangebot www.appcheck.de fördert.

Alle Vorträge der Tagung stehen, soweit von den Referentinnen und Referenten freigegeben, auf www.ztg-nrw.de zum Download bereit.