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Telematik und Telemedizin für mehr Patientensicherheit in der Arzneimitteltherapie

17. Juli 2013 in Gesundheitscampus, Technologieprojekte, Wissenschaft

Der aktuelle BARMER GEK Arzneimittelreport 2013 wurde veröffentlicht. So wurde unter anderem auf Basis der Daten von 2,1 Millionen Versicherten im Alter von über 65 Jahren analysiert, wie häufig es bei dieser Gruppe zur parallelen Verordnung mehrerer Arzneimittelwirkstoffe kommt. Das Ergebnis zeigt Handlungsbedarf: Ein Drittel der Versicherten ist von Polypharmazie betroffen und nimmt täglich mehr als fünf unterschiedliche Arzneimittelwirkstoffe ein. Mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationslösungen im Gesundheitsweisen, um den Folgen der gleichzeitigen Verordnung mehrerer Medikamente entgegenzuwirken, beschäftigt sich u.a. das Zentrum für Telematik und Telemedizin in Bochum.

Besonders für ältere Menschen sind laut BARMER GEK Arzneimittelreport 2013 die Themen Multimorbidität und damit auch Polypharmazie immer stärker präsent. Die Einnahme mehrerer und vor allem verschiedener Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen erhöht das Risiko von Wechselwirkungen, Unverträglichkeiten und Kontraindikationen. So sind beispielsweise 10,2% der Krankenhauseinweisungen älterer Menschen auf internistischen Stationen arzneimittelbedingt. Beeinflusst wird die Polypharmazie von Faktoren wie Alter, Anzahl der besuchten Ärztinnen und Ärzte sowie vom Geschlecht der Behandelten. Bis zum 84. Lebensjahr sind Männer stärker von Polypharmazie betroffen. Ab dem 85. Lebensjahr ist der Anteil der Frauen höher. Bei beiden Geschlechtern ist eine Abnahme der Polypharmazie im hohen Lebensalter zu beobachten.

Die Ursachen für die oftmals nicht aufeinander abgestimmte Medikation liegen u.a. in der Konsultation verschiedener (Fach)Arztpraxen und im Besuch unterschiedlicher Apotheken. Hinzu kommen die im Arzneimittelreport nicht berücksichtigten freiverkäuflichen OTC-Präparate („Over the Counter“), die den Patientinnen und Patienten in immer größerer Anzahl zur Verfügung stehen. Einen Überblick über Medikation und Therapietreue zu behalten, ist somit sowohl für die Behandelnden als auch für die Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige schwierig.

Doch welche Lösungen gibt es für diese Problematik? Wie kann gewährleistet werden, dass Medikamente zukünftig besser aufeinander abgestimmt werden können? Rainer Beckers, ZTG-Geschäftsführer, ist überzeugt, dass Telematik helfen kann: „Um auch bei multimorbiden Patientinnen und Patienten einen Überblick über die komplexe Medikation zu behalten, bieten sich telematische Lösungen an“. Und auch Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, betont: „Gerade die Ergebnisse zur Polypharmazie zeigen, dass wir dringend mehr Vernetzung und Transparenz im Gesundheitswesen brauchen. Hätten wir die elektronische Gesundheitskarte, das elektronische Rezept und die elektronische Patientenakte, hätten behandelnde Ärzte und auch Apotheker einen viel besseren Überblick über die Arzneimitteltherapie.“

Dass Multimedikation sich durch elektronische Vernetzung besser steuern ließe, soll auch im Forum „AMTS (Arzneimitteltherapiesicherheit) – Für mehr Patientensicherheit in der gesundheitlichen Versorgung“ auf dem ZTG-Fachkongress „IT-Trends Medizin/Health Telematics“ am 25. September 2013 in Essen diskutiert und erläutert werden. Hier werden aktuelle Projekte und Vorhaben aus der Landesinitiative eGesundheit.nrw vorgestellt, die daran arbeiten, AMTS und damit die Patientensicherheit mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien zu stärken.