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Psychodiabetologen behandeln Menschen mit Diabetes und seelischen Problemen

28. November 2013 in Kliniken

Spezialisiert auf die Behandlung von Menschen mit Diabetes und psychischen Problemen: Petra Grewe, Psychologische Psychotherapeutin und Psychodiabetologin, und Klinikdirektor Prof. Stephan Herpertz. (Bildquelle: LWL)
Spezialisiert auf die Behandlung von Menschen mit Diabetes und psychischen Problemen: Petra Grewe, Psychologische Psychotherapeutin und Psychodiabetologin, und Klinikdirektor Prof. Stephan Herpertz. (Bildquelle: LWL)

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die entweder auf eine Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen im Sinne einer Autoimmunerkran­kung (Typ 1 Diabetes mellitus) oder eine Unwirksamkeit des Insulins zurückzuführen ist (Typ 2 Diabetes mellitus). Während der Typ 1 Diabetes  nicht heilbar ist, kann der Typ 2 Diabetes z.B. durch Gewichtsabnahme positiv beeinflusst werden. In Deutschland leiden mehr als sechs Millionen Menschen an einem Diabetes. Während bei dem Typ 1 Diabetes eine Behandlung mit dem Hormon Insulin lebens­notwendig ist, können bei dem Typ 2 Diabetes Veränderungen der Ernährung, der körperlichen Aktivität, Medikamente und erst in letzter Konsequenz Insulin die Behandlung der Wahl sein. Diabetes ist für die Betroffenen eine sehr einschneidende Diagnose, die in der Regel mit einer enormen Veränderung der Lebensweise einher­geht und nicht selten zu psychischen Problemen bis hin zu Störungen führt.

Psychische Störungen als Begleit- oder Folgeerkrankung wirken sich bei einem diabeteserkrankten Menschen negativ auf die Diabetes-Therapie und langfristig auf die Prognose des Diabetes aus. Vor allem junge Frauen mit Typ 1 Diabetes leiden häufiger unter einer Essstörung. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken ist bei Menschen mit Diabetes doppelt so hoch. „Werden diese psychischen Erkrankungen nicht erkannt und behandelt, drohen dem Patienten eine schlechte Blutzucker­einstellung, Folgeerkrankungen und eine verkürzte Lebenserwartung“, warnt Prof. Stephan Herpertz, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psycho­therapie des LWL-Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum im Land­schaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Herpertz ist einer der Autoren der neuen Leitlinie „Psychosoziales und Diabetes“. Der praxisnahe Behandlungsleitfaden wurde ins Englische übersetzt und ist weltweit die erste Leitlinie auf diesem Fachgebiet. Mit ihrer Hilfe sollen psychosoziale Probleme und psychische Erkrankungen besser erkannt und die Behandlung und Schulung der an Diabetes erkrankten Menschen optimiert werden. „Wenn Menschen an Diabetes erkranken, dann stehen die Blutzuckerwerte und andere somatische Behandlungs­ziele im Fokus“, so Petra Grewe, Psychologische Psychotherapeutin in der Bochu­mer Klinik und neben Herpertz Psychodiabetologie-Experte. „Der seelischen Belas­tung von Diabetes wird selten Beachtung geschenkt.“

Dabei gibt es verschiedene wirksame Behandlungsansätze, mit denen Diabetes-Patienten geholfen werden kann. Beispielsweise wird bei einer Essstörung dringend eine Psychotherapie angeraten. In Typ-1-Diabetes-Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich nach einer psychotherapeutischen Behandlung die Stoffwechsel­lage gebessert hatte und damit das Risiko von diabetischen Spätschäden gemindert werden konnte. Auch Menschen mit einer Depression sollten psychotherapeutisch behandelt werden. Eine psychopharmakologische Behandlung zeigt ebenfalls gute Ergebnisse.

Lebensbedrohliche Ausmaße kann die Kombination Demenz und Diabetes haben. Wenn aufgrund der verminderten Gedächtnisleistung beispielsweise die Insulingabe vergessen wird, die Dosis zu hoch ist oder der Erkrankte versäumt, danach etwas zu essen. Das Gehirn kann dabei weiter geschädigt werden. Um dieses Risiko zu vermindern, sollte nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eine neue Einstel­lung des Langzeit-Blutzuckerwertes erfolgen. Aber auch entsprechende Weiterbil­dungsangebote für Pflegende wie Angehörige sind ratsam.

„Wir benötigen unbedingt eine bessere psychosoziale Betreuung von Menschen mit Diabetes“, fordert Prof. Herpertz. „Nur wenn die Betroffenen psychisch gesund sind und trotz ihrer Erkrankung eine hohe Lebensqualität verspüren, dann ist die Prog­nose des Diabetes gut.“