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Die „Kunst des Alterns“

5. November 2013 in Kliniken, Veranstaltungen

Dr. Günter Danner,   Foto: Bergmannsheil
Dr. Günter Danner,
Foto: Bergmannsheil

Anselm Grün und Günter Danner referierten im Bergmannsheil

Was das Altern und Älterwerden für den Einzelnen wie für unsere Gesellschaft bedeutet, darüber referierten Pater Dr. Anselm Grün und der Gesundheitsökonom Dr. Günter Danner beim Bürgerforum im Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil am 31. Oktober. Unter dem Titel „Ein neuer Blick aufs Alter“ schlugen die Referenten einen weiten thematischen Bogen von Herausforderungen des demographischen Wandels bis zu ganz konkreten Möglichkeiten des Menschen, sein Altern und die Qualität seines Alterns zu bestimmen. Rund 150 Besucher folgten den Vorträgen und nutzten die Gelegenheit, mit den prominenten Experten zu diskutieren. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Neurologischen Klinik im Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Martin Tegenthoff).

„Was darf uns das Alter kosten?“

Dr. Günter Danner skizzierte vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft und der Kostensteigerung im Gesundheitswesen Perspektiven einer tragfähigen Sozialpolitik. Er forderte, sich von fragmentarischen Problembetrachtungen etwa in der Pflegeversicherung zu lösen. Stattdessen sei eine „vernetzte Politik“ erforderlich und ein gesellschaftlicher Konsens darüber, was uns das Alter „kosten“ darf. So erneuere sich das medizinische Wissen in kurzen Perioden. Medizinische Innovationen zur Marktreife zu führen und den Menschen verfügbar zu machen, sei jedoch sehr kostenaufwändig. Hier stehe das deutsche Gesundheitssystem aber vergleichsweise gut da. Danner zufolge begünstigten das Umlageverfahren in der gesetzlichen Krankenversicherung und ein historisch hoher Beschäftigungsgrad die Leistungsstärke unseres Systems – insbesondere im Vergleich zu anderen EU-Ländern, die derzeit unter der Finanzkrise und den erheblichen Folgen für ihre Sozialsysteme zu leiden hätten.

In guter Weise altern

Pater Dr. Anselm Grün lenkte den Blick von den gesellschaftlichen auf die individuellen Herausforderungen des Alterns. „In guter Weise älter zu werden, ist eine Kunst“, formulierte der bekannte Publizist. Damit das Altern gelänge, seien drei Schritte zu gehen, die Grün mit den Begriffen „Annehmen“, „Loslassen“ und „Frucht bringen“ beschrieb. Der Begriff „Annehmen“ beziehe sich auf die eigene Lebensgeschichte, sich auszusöhnen auch mit möglicherweise verpassten Gelegenheiten oder falschen Lebensentscheidungen. Ebenso gehöre das Annehmen der Einsamkeit, die viele Ältere oft betreffen würde, zum Menschsein dazu.  „Loslassen“ meinte das Loslassen von Macht und Besitz, aber auch der eigenen Rolle, die man im Berufsleben ausgefüllt hat. Älteren Menschen, die über Zeit und Muße verfügen könnten, empfahl Grün außerdem „Frucht zu bringen“ und sich zu engagieren. Indem sie Jüngeren mit Rat und Tat zur Seite stehen oder im Kindergarten vorlesen würden, könnten Ältere zu einem „Segen für die Gemeinschaft“ werden.

Folgeveranstaltung geplant

Dr. Philipp Stude und Prof. Dr. Martin Tegenthoff von der Neurologischen Klinik führten durch den Abend. „Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung planen wir auch im nächsten Jahr wieder ein Bürgerforum zu einem fachübergreifenden, gesellschaftlich relevanten Thema mit prominenten Referenten“, so Dr. Stude.