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Dem Gehirn bei der Bewegung zusehen

10. Oktober 2013 in Gesundheitscampus, Technologieprojekte, Unternehmen, Veranstaltungen

v.l.n.r. Prof. Dr. Hartmut  Weigelt (SNAP), Dr. Bernd Krahl (Ambulanticum), Probandin
v.l.n.r. Prof. Dr. Hartmut Weigelt (SNAP), Dr. Bernd Krahl (Ambulanticum), Probandin

SNAP GmbH informiert über neue Methode zur Qualitätskontrolle von Therapiemaßnahmen

Das Bochumer Team der SNAP GmbH kann am Gehirn ablesen, wann ein Muskel-Training ausreicht. Ob und wie gut eine Physiotherapie funktioniert, wird gewöhnlich an den sichtbaren Fortschritten der Patienten bewertet. Einen ganz anderen Weg haben die Bochumer Forscher der SNAP GmbH zufällig entdeckt.

Eigentlich wird am Versuchsstand im BioMedizinZentrum in Bochum nach Mustern im Gehirn gesucht, die zu bestimmten Bewegungsabläufen passen. Probanden laufen dazu über ein Laufband mit einer virtuellen Hindernisstrecke, parallel werden die Gehirnströme gemessen. Der Versuchsstand soll Herstellern helfen, später einmal Prothesen zu entwickeln, die durch die Gedanken der Patienten gesteuert werden. Das Team um Prof. Weigelt ist einen Schritt weiter gegangen und hat bei Probanden, die im AMBULANTICUM® Herdecke in speziellen Reha-Geräten bewegt werden, die Gehirnströme gemessen. Dabei werden die Extremitäten durch einen so genannten Lokomaten® in einem natürlichen Ablauf bewegt. Den Patienten wird damit geholfen, normale Bewegungsabläufe wieder zu erlernen. Die Messungen dienten dazu, die mobile Messmethodik und -technologie der SNAP GmbH unter
verschiedenen Bewegungssituationen zu erproben.

Bei den Probanden konnte Prof. Weigelt im Elektroenzephalogramm (EEG) erkennen,
wann der Erschöpfungslevel erreicht ist: „Bei der Messung der Gehirnströme nutzen wir den ´Schlafindex´(spektrale Frequenzindex, SFX), den auch Anästhesisten nutzen. Es ist ein Verhältnis bestimmter Messwerte, der bei jedem Menschen unterschiedlich ist und darüber Aufschluss gibt, wie wach oder erschöpft man ist. Bei der Narkose weiß der Arzt, wann er anfangen kann zu operieren. Bei der Reha weiß der Therapeut, wann er aufhören sollte, weil die Erschöpfung überwiegt,“ erläutert Weigelt. Der Therapeut muss individuell bei jedem Patienten abschätzen, ob es sich noch um aufbauendes Training handelt, oder schon zu viel trainiert wurde. Mit dem EEG hat er jetzt eine Hilfestellung an der Hand. Diese zu den sogenannten „Neurofeedback-Verfahren“ zählende Methode ist in dieser Form bisher nicht eingesetzt worden.
SNAP Geschäftsführer Uwe Seidel ergänzt: „Eine physische Bewegung, die extern durch den Lokomaten® ausgeführt wird, beeinflusst gleichzeitig den SFX positiv. Diese Beobachtung könnte weitere Anwendungsfelder nach sich ziehen.“ Denkbar wäre eine Kontrolle der Aktivierung durch Bewegung, z. B. beim motorischen Training von Schlaganfallpatienten. Hierzu müssen jedoch weitere Untersuchungen an Probanden durchgeführt werden.