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Wie Übergewicht und gestörte Insulinwirkung zusammenhängen

9. Februar 2012 in Kliniken, Wissenschaft

Diabetes-Forscher des Bergmannsheil mit Karl-Oberdisse-Preis 2012 ausgezeichnet

Für seine Forschungsarbeiten zur Entstehung der gestörten Insulinwirkung bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes-mellitus
wurde Diplombiologie Jan Giebelstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medizinischen Klinik I des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil, mit dem Karl-Oberdisse-Preis 2012 ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde von der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie verliehen. In diesem Jahr ging er zu gleichen Teilen an Jan Giebelstein und Dr. Julia Szendroedi vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf.

Übergewicht geht mit verändertem Proteinmuster einher

Die Volkskrankheit Diabetes mellitus des Typs 2 wird im Wesentlichen durch eine Insulinresistenz verursacht. Hierbei bildet die Bauchspeicheldrüse zwar ausreichend Insulin, um den Blutzucker zu stabilisieren. Es wirkt aber an den Zielorganen wie zum Beispiel den Muskel- und Leberzellen nur sehr schwach. Auch bei Übergewicht, einem Risikofaktor für die Entwicklung des Diabetes mellitus Typ 2, kann bereits eine verminderte Insulinwirkung beobachtet werden. Die Mechanismen, die zu dieser Insulinresistenz führen, sind bislang nur unzureichend bekannt.

Jan Giebelstein - Bild: V. Daum / Bergmannsheil

In seiner Arbeit „The proteomic signature of insulin-resistant human skeletal muscle reveals decreased glycolytic and increased mitochondrial enzymes“, die in Kooperation mit dem Medizinischen Proteom Center der Ruhr-Universität Bochum und einer dänischen Arbeitsgruppe erstellt wurde, konnte Jan Giebelstein nachweisen, dass es im Skelettmuskel übergewichtiger Personen zu einer Verschiebung des Proteinmusters kommt. Charakterisiert wird dies unter anderem durch eine Zunahme zuckerspaltender Enzyme und eine Abnahme von Enzymen, die der Energiegewinnung dienen. Resultat könnte eine vermehrte Fettansammlung sein.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung, die im April in der Zeitschrift „Diabetologia“ veröffentlicht werden, könnten die Insulinresistenz als Folge einer Funktionsstörung der Mitochondrien erklären: Diese Zellbestandteile bzw. Organellen sind für die Energiegewinnung der Zelle notwendig. Weiterhin könnten diese Erkenntnisse dazu beitragen, in der Zukunft neue Medikamente zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln, die direkt an den Mechanismen der Insulinresistenz ansetzen und damit eine wesentliche Ursache der Krankheit behandeln.

Preis würdigt beste Forschungsarbeiten in der Endokrinologie und Diabetologie

Jan Giebelstein studierte Biologie in Bochum und fertigte seine Diplomarbeit am Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie an. Seit 2008 forscht er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medizinischen Klinik I, Endokrinologie und Diabetologie, des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil der Ruhr-Universität Bochum am Thema „Pathologische Veränderungen der Transduktion und Umsetzung des Insulinsignals bei Adipositas und Typ2- Diabetes“. Der Karl-Oberdisse-Preis, der an Prof. Dr. Karl Oberdisse (1903-2002), einen der Pioniere der Endokrinologie und Diabetologie in Deutschland erinnert, wird jährlich für die beste klinische und experimentelle Arbeit auf dem Gebiet der Endokrinologie und Diabetologie verliehen. Gestiftet wird der Preis von der Firma Janssen Cilag GmbH, Neuss.