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USA verbieten bestimmte Antibiotika im Tierfutter

18. Januar 2012 in Kliniken, Wissenschaft

Während in den USA ab April 2012 das Antibiotikum Cephalosporin nur noch sehr beschränkt und in Ausnahmefällen Schafen, Schweinen, Rindern oder Geflügeltieren verabreicht werden darf, wird eine ähnliche Gesetzesvorlage in Deutschland noch diskutiert.
Zuletzt wurden in Nordrhein Westfalen bei 96 Prozent der Masthühner Spuren von Antibiotika nachgewiesen. Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, Mediziner an der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum erklärt die Gefahr, die von den Medikamentenrückständen in der Nahrung ausgeht: „Antibiotika, wie Cephalosporin, können unwirksam werden, wenn der Mensch bereits durch den Fleischkonsum so genannte ESBL-bildende Bakterien gebildet hat. ESBL-Enzyme zerstören das Antibiotikum und machen die Therapie unwirksam“. Bei Farmern in den Niederlanden finden sich jetzt schon regional bis zu 80% resistente Errreger.

Antibiotika Resistenzen verhindern die Therapie gefährlicher Geschlechtskrankheiten
Cephalosporin wird bei verschiedenen Infektionskrankheiten, zum Beispiel Hautkrankheiten oder sexuell übertragbaren Infektionen (STI) gegeben.
In den USA wurde jetzt konsequent reagiert und der Einsatz dieser Antibiotika in der Tiermast weitestgehend verboten. Doch wäre das auch für Deutschland der richtige Weg um Resistenzbildung zu vermeiden oder führte das lediglich zur Nutzung neuer Substanzen in den Mastbetrieben? „Speziell bei der Behandlung von STI erleben wir immer häufiger, dass Antibiotika nicht wirken, weil bereits Resistenzen bei den Patienten vorliegen“, erklärt Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG). „Zuletzt wurde diese Problematik bei der Behandlung des Trippers (Gonorrhöe) deutlich: Hier könnten wir in naher Zukunft vor der Schwierigkeit stehen, über keine wirksamen Antibiotika mehr zu verfügen, da bereits zu viele Resistenzen bestehen“. Das Thema „Resistenzbildung“ wird auch auf dem STI-Jubiläumskongress der DSTIG, vom 14.-16. Juni in Berlin diskutiert werden.

Mehr Antibiotika an Tiere als an Menschen verabreicht
Dass gehandelt werden muss, darauf hat auch das Bundesinstitut für Risikobewertung hingewiesen, wohl wissend, dass die Feststellung von Antibiotika in Fleischprodukten keine Neuigkeit ist. Bereits 2010 wurden in 5-6 Prozent der Hähnchenfleisch-Proben Antibiotika Rückstände gefunden, die eine Resistenz gegen Cephalosporine hervorrufen könnten.
„Die Tiermast in Deutschland muss so zu regeln sein, dass nicht mehr Antibiotika an Tiere als an Menschen verabreicht werden! Die Gefahr von Resistenzbildung nimmt zu und kann im schlimmsten Fall für Patienten tödlich sein, wenn die einzig wirksamen Antibiotika versagen“, so Brockmeyer.