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Tabletten zur HIV-Prävention?

23. Mai 2012 in Kliniken, Wissenschaft

Umstrittene HIV und STI-Präventionsstrategien werden beim Jubiläumskongress der DSTIG vom 14.-16. Juni in Berlin diskutiert

PrEP – hiermit bezeichnen Fachleute die Prä-Expositionsprophylaxe zur Verminderung des Infektionsrisikos bei einer möglichen HIV-Infektion. Umstritten ist die Einnahme der HIV-Medikamente jedoch als reine Präventionsstrategie. Können wir wirklich gesunden Menschen die Medikamenteneinnahme empfehlen, um sich bei Risikokontakten vor einer eventuellen HIV-Infektion zu schützen?

Prof. Brockmeyer

Dieses und weitere Themen rund um sexuell übertragbare Infektionskrankheiten (STI) werden beim Jubiläumskongress der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) kontrovers diskutiert. Zum Thema PrEP wird beispielsweise Professor Molina aus Paris referieren, und auf die Folgen einer medikamentösen HIV-Prävention eingehen. Fraglich ist beispielsweise, wie schützt das HIV-Medikament „Truvada“ bei sexuellem Kontakt mit einem HIV-positiven Partner schützt, dessen HI-Viren gegen Truvada resistent sind. Unklar ist auch, ob die Leitlinien für die Post-Expositionsprophylaxe nun auch auf eine zweifach anstatt dreifach Wirkstoffkombination zu ändern sind.

„Nicht nur aufgrund der hohen Kosten, die bei monatlich ca. 800 Euro liegen, können wir diese Strategie nicht empfehlen“, erklärt Prof. Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft von der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum, „auch besteht neben dem Risiko der Nebenwirkungen bei regelmäßiger Einnahme auch die Gefahr, bereits Resistenzen zu entwickeln, sodass im Falle einer HIV-Infektion später weniger Therapieoptionen bestehen“.

Beim STI-Kongress in Berlin stehen alle sexuell übertragbaren Infektionen im Fokus: Nicht nur aus der klinischen Perspektive, sondern auch im Kontext sozialwissenschaftlicher und epidemiologischer Aspekte wird über STI und die sexuelle Gesundheit diskutiert. Erstmals finden hier auch die Themen „Sexarbeit“ und „Sexualpädagogik“ Raum. „Die Förderung der sexuellen Gesundheit aus einem ganzheitlichen und fachübergreifenden Blickwinkel – das ist Ziel und Aufgabe dieses Jubiläumskongresses und unserer Fachgesellschaft, der DSTIG“, so Brockmeyer.

Weitere Informationen zum Jubiläumskongress der DSTIG www.sti-kongress2012.de

oder direkt an Prof. Dr. N.H. Brockmeyer Direktor Forschung und Lehre Leiter Zentrum für Sexuelle Gesundheit Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-UniversitätSprecher KompNet HIV/AIDS Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG)Gudrunstr. 56 44791 Bochum Tel.: 0234-509 3471,Fax: 0234-509 3472, n.brockmeyer@klinikum-bochum.de