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20. Reha-Wissenschaftliches Kolloquium Bochum

14. März 2011 in

Wohnortnahe, ambulante und vernetzte Maßnahmen sind für den Reha-Erfolg maßgeblich

„Maßgeblich für den Erfolg einer Reha-Maßnahme ist nicht die Maßnahme allein, sondern die Gesamtheit aller Abläufe“. Mit diesen Worten fasste Dr. Georg Greve, Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, das diesjährige Thema des bedeutendsten rehabilitationswissenschaftlichen Kongresses in Deutschland zusammen. „Nachhaltigkeit durch Vernetzung“ – für Greve liegt der Schlüssel in einer sektorübergreifenden Prozesssteuerung, die auf abgestimmten klinischen Pfaden beruht. Sie sorge für Standards und verbessere die Kommunikation zwischen den beteiligten Leistungserbringern. So könnten Qualität und Wirtschaftlichkeit der Behandlungsabläufe gewährleistet werden. Er bedauerte, dass im Gesundheitssystem der Bundesrepublik eine institutionelle Lotsen- und Managerfunktion für die Patienten und Behandlungsabläufe nicht vorgesehen sei. Aus Greves Sicht führen Koordinations- und Reibungsverluste im Behandlungsablauf zu negativen Ergebnissen einer Reha-Maßnahme. Dies sei zu vermeiden. Die Abläufe sollten daher von der ersten Diagnose beim Hausarzt über das Krankenhaus bis hin zur Reha-Maßnahme allen beteiligten Leistungserbringern mit großer Verbindlichkeit vorgeschrieben sein. Für eine abgestimmte Kommunikation und Vernetzung empfiehlt Greve wohnortnahe Strukturen.

Dass der Anteil an wohnortnahen beziehungsweise ambulanten Reha-Maßnahmen stetig steigt, bestätigte Dr. Axel Reimann, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund. „Von jährlich rund einer Million medizinischer Reha-Maßnahmen der Rentenversicherung werden mittlerweile über 11 Prozent ambulant erbracht.“ Der Ausbau der ambulanten Rehabilitation, die Erarbeitung von evidenzbasierten Reha-Therapiestandards und die Schaffung von Nachsorgeangeboten gingen auf Anstöße der Reha-Kommission der Deutschen Rentenversicherung zurück. Deren Analysen und Empfehlungen hätten 1991 einen umfassenden Qualifizierungs- und Flexibilisierungsprozess eingeleitet.

Neben der ambulanten Rehabilitation sei auch der Anstieg von Nachsorgeleistungen im Anschluss an eine medizinische Rehabilitation zu nennen. Inzwischen führt die Deutsche Rentenversicherung jährlich etwa 125.000 dieser Leistungen durch, sagte Reimann.

Aktuelle Ansätze zur Weiterentwicklung der Rehabilitation sehen nach Aussage von Reimann präventive Konzepte, das Betriebliche Eingliederungsmanagement sowie die medizinisch-berufliche Orientierung in der medizinischen Rehabilitation vor. Die Kooperation mit Betrieben ermögliche unter anderem, bestehende gesundheitliche Probleme bei Beschäftigten frühzeitig zu erkennen.

Dass sich der Aufwand rechne, konnte Ulrich Pott, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, bestätigen. „Eine medizinische Reha-Maßnahme mit durchschnittlichen Kosten von 2.300 bis 2.500 Euro amortisiert sich bereits nach vier Monaten.“ Pott machte darauf aufmerksam, dass mit Blick auf die Anhebung der Altergrenze auf 67 Jahre der Bedarf an Reha-Maßnahmen wachsen werde. Allein die Zahl der rehaintensiven Altersjahrgänge (45- bis 65-Jährige) werde bis zum Jahr 2018 um rund ein Viertel zunehmen.

Auch wenn die Ausgaben steigen, sei der persönliche und wirtschaftliche Gewinn für den einzelnen Rehabilitanden, seinen Arbeitgeber, die gesetzliche Rentenversicherung, die Krankenkassen und die Volkswirtschaft messbar. Nach einem Prognose-Gutachten fließen pro investiertem Euro fünf Euro in die Volkswirtschaft zurück, sagt Pott. Bei Arbeitgebern reduzierten sich Entgeltfortzahlungen und Produktivitätsverluste um die Hälfte. Bei den Krankenkassen fielen geringere Krankheitskosten und weniger Krankengeldzahlungen an. Die Deutsche Rentenversicherung profitiere durch weitere Beitragszahlungen. „Nach Erhebungen der Deutschen Rentenversicherung Bund sind rund 83 Prozent der Teilnehmer einer medizinischen Reha-Maßnahme noch zwei Jahre danach in Arbeit.“